Anfangs der 90er Jahre war Christian Scholz an zwei Tagen Gast bei der berühmten amerikanischen Schriftstellerin in der Südschweiz. Natürlich thematisierten beide die Ripley-Romane, gerade jüngst in klassischem Schwarzweiss neu verfilmt (Netflix). Aber es ging auch um Lebensversicherungen im doppelten Wortsinn. Oder ums strenge Gebot: keine Photos vom Haus! Niemand sollte zuviel wissen. Umgekehrt konnte High-smiths Verhalten bei hitzigen Temperaturen herrliche Sympathie, aber fast zeitgleich auch Urängste beim Besucher auslösen.
Dementsprechend ist das frei gestalteten Hörstück eine spannende Zeitreise durch Highsmiths Leben in den USA und in Europa. Alles war immer tragisch, singulär, kom-plex. Und so rätselhaft wie manche frappante Kehrtwendung in ihren Büchern. Die Filmmusiken aus Wenders Film "Der amerikanische Freund" und Romanzitate sowie Dialoge mit der gebürtigen Texanerin verwebt und verknüpft der Autor immer stärker, so dass im letzten Drittel Dokument und Fiktion kaum mehr klar voneinander zu trennen sind. Gewürdigt wird eine Autorin, die nie Krimi-Lady sein wollte, sondern schlicht eine höchst "talentierte Miss Highsmith", die über Gabe verfügte darzulegen, zu welch Grausamkeiten Menschen fähig sind. Psychisch und physisch. Sie starb vor gut 30 Jahren. Der Ort ihrer letzten Ruhe darf heute genannt werden: Ein Urnengrab auf dem Dorffriedhof von Tegna bei Locarno.
Christian Scholz, geboren 1951 in Stockholm, hat Patricia Highsmith nie vergessen können. Nach langer Tätigkeit als Autor und Regisseur lebt er heute in Zürich als Photokünstler mit Ausstellungen sowie Buchveröffentlichungen. Zuletzt erschien im Basler Christoph Merian Verlag sein vielbeachteter Bildband "Femmes de Suisse". Nachwort: Tatyana Franck, Direktorin Musée de l'Elysée, Lausanne.
Regie: Christian Scholz
Produktion: NDR 2001